harald priem

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2008  Insel-Begabung
Ausstelungsprojekt „Inseln – Archipele – Atolle. Figuren und Ordnungen des Insularen“

Gruppenausstellung zeitgenössischer Kunst im Ostflügel des Mannheimer Schlosses
> http://www.inselquadrat.de/ausstellung.html

 

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inselbild Uni

 

 

 

Insel-Begabung

Immer mehr Produkte des täglichen Lebens entstehen normiert und industriell gefertigt als Massenartikel. Die Beschleunigung von Arbeitsabläufen grenzt den handwerklichen Eingriff von Menschen zunehmend aus. Laufen moderne, arbeitsteilige Prozesse meist mechanisiert linear ab, bringen Menschen in geografisch abgegrenzten Sozialstrukturen ihre Arbeitsleistung in einem anderen zeitlichen Kontext ein. Die Arbeitsweise steht diametral unsereren ökonomischen Modellen gegenüber, zeigt aber hier einen entschleunigten Raum auf.

 

Auf der griechischen Insel Kalymnos in der südlichen Ägäis gibt es einen solchen Ort: die >Werft o’Glaros ist eine von zwei Werften in Griechenland, auf der Boote und Schiffe noch in traditioneller Skelettbauweise seit fast 3.000 Jahren aus Holz gefertigt und gewartet werden. (1) Das Wissen um den Bootsbau wird seit Generationen mündlich weitergegeben. Die Bootsbauer gehen ihrem Tagwerk unter freiem Himmel mit einfachsten Werkzeugen und unkompliziertem technischen Gerät nach. Selbstverständlich ist die Hauptmotivation grundsätzlich wirtschaftlichen Interessen geschuldet, also ein Schiff in einem bestimmten, klar vorgegebenen Zeitraum hochseetauglich fertigzustellen und so den Broterwerb zu sichern. Dennoch ist die Arbeit dem menschlichen Zeitmaß angepasst. Jedes Teil eines Schiffes wird liebvoll von Hand und individuell nach den Vorgaben des Eigners gefertigt. Die Bootskörper ähneln vor der Beplankung eher Skulpturen als technischen Geräten. An komplexen Bauteilen wird oft tagelang gearbeitet. Die Zeit scheint dann still zu stehen, weil, von aussen betrachtet, nichts geschieht. Nach der Fertigstellung verläßt jedes Boot als Unikat die Werft. Fast ist es so, als hauchten die Menschen den Wasserfahrzeugen eine Seele ein.

 

Fotografische Annäherung und inhaltliche Reflektion

Der Fotograf Harald Priem hat von 2004 bis 2008, jeweils in den Sommermonaten Juli / August, die Arbeit auf der Werft o’Glaros mit der Kamera beobachtet. Fasziniert und erstaunt darüber, was dort mit Menschenkraft geleistet wird, hat er sein eigenes Empfinden von Zeit zu den insularen Zeitläuften ins Verhältnis gesetzt und neu verortet.

 

Dabei ist es ihm gelungen, tagebuchartig die Arbeitsprozesse über Wochen bis ins Detail mit der Kamera festzuhalten, die Menschen in ihrem Arbeitsumfeld zu portraitieren und die skulpturale, monumentale Anmutung der Schiffe bildnerisch herauszuarbeiten. Die entstandenen künstlerischen Fotografien sind erzählerisch und besitzen eine Poesie, die über die klassische Dokumentarfotografie hinausgeht. (2)

 

Harald Priem deutet für seine Arbeit den psychologischen Terminus der »Inselbegabung« so um, dass er nicht mehr eine Beeinträchtigung, sondern eine wirkliche Begabung bezeichnet, die – als Hypothese oder Denkfigur – den Inselbewohnern als inselspezifisch eigen sein könnte. Er greift den einschränkenden wie Möglichkeiten eröffnenden Gedanken der »Inselbegabung« auf und bezieht sich dabei auf das Urkreatürliche, das menschlich kreative Potential.

(1) In den Aufzeichnungen der Ilias des griechischen Philosophen und Dichters Homer, (Rhaps. B Vers 676-680) findet sich in einer Liste von Schiffen, die am Trojanischen Krieg teilnahmen, auch der Name für eine Inselgruppe namens »Kalydnai Inseln«, der die Inseln Kalymnos, Leros und Pserimos zusammenfasst.

(2) vgl. August Sander, Robert Frank, William Eggleston

 

 

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